Die sogenannte Realität existiert zweifellos; doch meist schalten sich persönliche oder gesellschaftliche Interessen ein, um sie zu übersehen oder ihr auszuweichen. Wenn man sich als Dokumentarfilmer auf die Suche nach der Wahrheit begibt, gibt es keinerlei Garantie dafür, dass das, was man erreicht, immer die absolute Wahrheit ist. Manchmal hat man einfach nur Glück. Viele Menschen glauben, je tiefer man eine Geschichte recherchiert, desto weniger unbeantwortete Fragen blieben zurück. Das ist jedoch ein sehr naiver und irreführender Ansatz. Oft bringt das Nachgehen einer Geschichte unzählige zusätzliche Fragen mit sich, die unbeantwortet bleiben und vielleicht auch nie ganz beantwortet werden können. Ein guter Dokumentarfilmer muss von vornherein akzeptieren, dass manche Dinge bestenfalls ungewiss bleiben, und sollte dem Publikum ehrlich vermitteln können, warum das so ist.
Errol Morris
Was wir als Dokumentarfilm bezeichnen, ist in Wirklichkeit die kreative Umarbeitung und Inszenierung der Realität. Ich betrachte das Kino nicht bloß als einfaches Unterhaltungsmittel, sondern als ein Rednerpult, das die Gesellschaft bildet, ihr den Weg weist und sie inspiriert – und ich nutze es wie ein Instrument der Propaganda. Das Alltagsleben, die Kämpfe und das Dasein gewöhnlicher Menschen auf die Leinwand zu bringen, hat eine viel stärkere und erschütterndere Wirkung als jene künstlichen und aufgesetzten Geschichten, die in Studiokulissen entstehen. Wir zeichnen nicht einfach nur das Geschehene auf; wir bringen das Drama, die Poesie und das Menschsein innerhalb dieser Realität zum Vorschein und ermöglichen dem Publikum so, mit einem völlig neuen und kritischen Blick auf die Gesellschaft zu schauen.
John Grierson
Mir scheint, dass diese unermessliche natürliche Welt, in der wir leben, die Quelle unserer größten Faszination ist, im Mittelpunkt der einzigartigsten visuellen Schönheit steht und das Zentrum unseres tiefsten intellektuellen Interesses bildet. Je weiter wir uns von der Natur entfernen, desto fremder werden wir uns selbst. Jeder Atemzug, den wir nehmen, jeder Bissen, den wir essen, stammt direkt aus dieser natürlichen Welt. Keine Spezies auf diesem Planeten hatte jemals eine so universelle und zerstörerische Kontrolle über alles in der Welt, wie wir sie jetzt besitzen. Das erlegt unseren Schultern – ob wir wollen oder nicht – eine gewaltige und beängstigende Verantwortung auf. In unseren Händen liegt nun nicht mehr nur unsere eigene Zukunft, sondern das Schicksal aller Lebewesen, mit denen wir diesen Planeten teilen. Dokumentarfilme sind das stärkste Werkzeug, das wir haben, um den Menschen diese Realität vor Augen zu führen.
David Attenborough

